Erlebnis-Pfad - Wannweiler Schüler erfahren, dass es richtig anstrengend ist, Strom zu produzieren
Aha-Effekt beim Heizlüfter-Betrieb
VON MICHAEL MERKLE
WANNWEIL. Dort, wo sonst der Wannweiler Gemeinderat tagt, nimmt Selcuk Elkiran auf einem Fahrrad Rennhaltung ein und tritt mit einem breiten Grinsen im Gesicht fest in die Pedale. »Hey, mach mal was an«, ruft er seinen Mitschülern aus der neunten Klasse der Wannweiler Uhlandschule zu, die vor dem dazugehörigen Schaltpult stehen.
   
  Selcuk Elkiran (mit Mütze) und Mitschüler beim »Erbsen-Experiment«: Der Energieverlust beim Betrieb von Verbrennungsmotoren wird da augenfällig deutlich gemacht.
FOTO: MERKLE
 
Zusammen mit Konrektor Peter Welsch erkunden die Hauptschüler der Wannweiler Uhlandschule den Energie-Erlebnis-Pfad im Rathaus. Schon nach der ersten Station steht eines fest: Strom zu produzieren ist richtig anstrengend. Tritt man nicht schnell genug, wird die Glühbirne gleich dunkler. Musik mit dem CD-Rekorder hören geht gerade noch so. Aber Wasser in einem Kocher bis auf den Siedepunkt erhitzen - das dauert und dauert.

Wie lange reicht die Kohle?

»Schaltet mal wieder was ab, das geht sonst so schwer«, müht sich Seyfullah Koca als Dritter auf dem Trockenrad mit Stromgenerator ab. Doch mit den Aufgabenblättern in der Hand gilt es weit mehr zu untersuchen. Da sind etwa die verschiedenen Energieträger. Die Schüler müssen hier mit einem riesigen Holzschlüssel überprüfen, ob sie die Energiequellen richtig einschätzen. Entstehen Abgase? Kommt es zur Aufwärmung? Wie sieht es mit Strahlung aus? Reichen die Vorräte? Und wie verhält es sich mit der Abhängigkeit und Verfügbarkeit?

Dass bis heute in Deutschland lediglich sechs Prozent des Stroms aus regenerativen Energiequellen produziert werden und immer noch über fünfzig Prozent aus Kohle, erfahren die Jugendlichen gleich nebenan an den Schätztafeln mit langen Schiebern.

Sandra Wurst, Selena Rosagrata und Dave Geiger müssen an der zehnten Station nicht schätzen, sondern einfach die Verbrauchszahlen auf dem Energiemonitor exakt ablesen. Ist der Unterschied zwischen der konventionellen Glühbirne und der Energiesparlampe schon groß, kommt der Aha-Effekt beim Einschalten des Strom fressenden Heizlüfters.

Verbrauchsspitzen am Mittag

Als das soweit geklärt ist, geht es noch einmal eine Station zurück zu den Schaubildern über die Verbrauchsspitzen. »Warum denn mittags?«, starrt Selena Rosagrata etwas ungläubig das Schaubild an. Dass am Abend stets viel Strom benötigt wird, war ja klar. »Willst Du zum Mittagessen nichts Warmes essen?«, hilft Peter Welsch ihr auf die Sprünge.

In eine ganz andere Materie hat sich inzwischen Selcuk Elkiran vertieft. Er schüttet an der elften Station erst oben einen Becher mit Erbsen rein und sieht dann unten im Auffangbehälter noch ein Sechstel der Menge ankommen. Simuliert werden hier die hohen Energieverluste bei Verbrennungsmotoren. Durch Wärmeverluste, Abgase, elektrische Verbraucher, Reibung und Luftwiderstand bleiben 0,8 von 1 Liter Benzin einfach so auf der Strecke.

Und was damit zusammenhängt, ist nebenan zu sehen: Mit einer roten Lampe wird normale und kohlendioxidhaltige Luft nebeneinander erwärmt. Letztere erreicht, so zeigt es die digitale Temperaturanzeige ganz deutlich, eine höhere Temperatur. Nichts anderes als der Treibhauseffekt!

Bevor die zehn Schüler sich zum Schluss noch mit den kniffligen Fragen eines Energie-Quiz beschäftigen dürfen, gibt es zum Thema Abgase noch eine optische Lektion: Hier ein Glas mit nur 75 Kubikzentimetern Benzin, dort ein großer Ball. Nach 300 Mal Pumpen hat der 87 Liter Luft in sich. Das entspricht der Menge an Kohlenstoffdioxid, die beim Verbrennen der kleinen Menge Benzin entsteht. (GEA)